Stärkt Corona die Organisierte Kriminalität?

unsplash-logoLuis Villasmil

Viele Experten warnen vor einem Erstarken der organisierten Kriminalität. Die rasante Zunahme von Fälschungen, vor allem auf Online– Handelsplattformen scheinen Ihnen recht zu geben. Doch ist das wirklich logisch?

Einige haben es ja schon immer gewusst. In jeder Krise, in der die Bevölkerung unter Druck gerät und die Sicherheitsbehörden alle Hände voll zu tun haben, kann es ja nur so sein, dass die Kriminellen ihre Chance wittern. Während Polizisten damit beschäftigt sind, Sperrgebiete und Menschen ohne Mundschutz zu kontrollieren, hat es der Dieb einen Straßenzug weiter leicht. Das gilt auch in übertragenem Sinne für den Einzelhandel. 

In Deutschland rechnet der führende Handelsverband HDE mit rund 50.000 Insolvenzen von kleinen stationären Einzelhändlern durch die Corona-Krise. Insgesamt gibt es rund 340.000 Einzelhändler in Deutschland. Sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von gewaltigen 580 Milliarden Euro. Durchschnittlich gibt jeder Einwohner in Deutschland pro Jahr 20.000 Euro für seinen privaten Konsum aus. Dazu zählen große Anschaffungen wie Autos bis hin zu den Dingen des täglichen Bedarfs. 

In der Corona-Krise hat der Handel mit Lebensmitteln am wenigsten gelitten. Er umfasst mit rund 200 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr den größten Teilmarkt. Und er dürfte zu einem der größten Profiteure gehören. Laut einem Bericht der Lebensmittelpraxis hat zwar ein Drittel der Deutschen weniger Geld in der Tasche. Insgesamt geben die Deutschen aber mehr für Nahrung aus, als vorher. Das steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den größeren Schwierigkeiten, beziehungsweise Verboten, fertige Gerichte außer Haus zu bestellen und zu konsumieren. Es wird also wieder mehr zu Hause gekocht. Dabei legen die Menschen mehr Wert auf die Qualität der Lebensmittel.

Damit einher geht die geringere Bereitschaft, Geld für weitere Konsumgüter, wie zum Beispiel Kleidung auszugeben. Mehr als ein Drittel der Deutschen spart daran. Auch Investitionen in Hobbys, Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte und Möbel gehen klar zurück. Nahezu vollkommen zusammen gebrochen sind (neben dem Restaurantbesuch) Ausgaben für Reisen, Mobilität und Dienstleistungen wie den ansonsten regelmäßigen Frisörbesuch. 

Die Menschen konsumieren also weniger und achtsamer. Das ist eigentlich keine ideale Voraussetzung für Kriminelle, egal ob sie online oder offline aktiv sind. Wer sich seine Investitionen wohl überlegt oder gleich ganz zurück stellt, gerät auch nicht so schnell in die Fänge von Betrügern. Und: positiver Nebeneffekt der ganzen Quarantäne-Zeit ist der Rückgang der Wohnungseinbrüche. Deren Zahl schrumpfte im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen in den letzten Wochen um knapp 40 Prozent. Da auch weniger auf den Straßen los ist, sank gleichzeitig auch die Zahl der Taschendiebstähle. 

Dahingegen musste der Polizeiapparat umschwenken auf ansonsten ungewöhnliche Kontrollen der normalen Bevölkerung. Es werden vermehrt Streifen in Gang gesetzt, die zum Beispiel Kontaktverbote kontrollieren und für die Auflösung von Versammlungen sorgen. Da aber Kriminelle naturgemäß versuchen, in der Masse der Normalbürger unterzugehen, haben sie auch hier schlechte Karten, da der Kontrolldruck auch an ungewöhnlichen Orten immens erhöht ist. 

Wir haben es wohl bei der Corona-Krise auch mit einer Krise der Kriminalität zu tun. Die Bedingungen könnten nicht schlechter sein. Endlich ein Wirtschaftszweig, über dessen Niedergang und Verluste wohl niemand so recht trauern wird.